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Sonntag, 19. April 2015

Unsere Grüne Insel (13) - Eine Reise nach Westeros

Westeros? Wo liegt das denn, bitteschön? Na, in Nordirland zum Beispiel. Westeros ist vor allem den Fans der Buchreihe "Game of Thrones" von George R. Martin und deren Serienverfilmung bekannt. Jan hat alle bisher erschienenen Bücher verschlungen, ich bin erst beim 6. Band.

Übertragen auf unsere Welt würde die Handlung wohl im Mittelalter anzusiedeln sein. Es geht um den Zerfall von Westeros, den Machtkämpfen der Herrscher der sieben Königslande, um Intrigen und Sagengestalten - seien es die drei Drachen von Danaerys Targaryen, die Schattenwölfe, das Wappentier der Starks aus dem Norden oder die Weißen Wanderer im hohen Norden jenseits der Mauer aus Eis. Es lohnt sich auf jeden Fall die Bücher zu lesen, auch wenn der Autor immer mal wieder den ein oder anderen Lieblingshelden am Ende eines Buches sterben lässt. Es besteht definitiv hohes Suchtpotential.

Für die Verfilmung hat man sich ausschließlich Drehorte in Europa ausgesucht. Der wichtigste Standort ist Nordirland. Neben den unzähligen Außenschauplätzen ist in Belfast auf dem ehemaligen Gelände von Harland & Wolff (die "Titanic"-Werft) ein Filmstudio hauptsächlich für "Game of Thrones" entstanden. GoT ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nordirland geworden.

Von Dublin und Belfast aus werden seit letztem Jahr Bustouren zu einigen Drehorten angeboten. Und weil wir schon vor unserem Umzug nach Irland wussten, dass unsere Nichte uns über Ostern besuchen wollte, haben wir ihr diese Tour zu Weihnachten geschenkt. Unser Neffe kam dann halb überraschend auch mit, und so sind wir zu viert nach Winterfell, der Residenz der Starks aufgebrochen.

Der erste Stopp auf unserer Tour war Inch Abbey, eine Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert, in der Nähe von Downpatrick im County Down. Es gab da diese eine wichtige Episode, in der Robert Stark nach der Enthauptung seines Vaters Eddard Stark von dessen Lehnsherren zum König des Nordens gekrönt wird. Und diese Krönungszeremonie wurde eben hier gedreht. Unser Tourguide hat immer sehr anschaulich Screenshots aus der Serie gezeigt und wir konnten diese sehr gut mit dem Original vergleichen.



Der nächste Stopp war Castle Ward Estate bei Strangford unweit der Inch Abbey. Castle Ward ist seit dem 16. Jahrhundert das Anwesen der Familie Ward und mit seinen zahlreichen Gebäuden und der weitläufigen Parkfläche absolut sehenswert. Naja, und einige Szenen aus GoT wurden hier natürlich gedreht. Zum Einen steht hier das Schloss, dass mit Hilfe von Requisiten und Computertechnik zur Festung Winterfell wurde. Aber auch ein einzelner Turm wird mit Hilfe digitaler Technik zu den Zwillingen, auf denen Walder Frey residiert. Und es gibt die Stelle, an der Brienne von Tarth und Jamie Lannister auf ihrem Weg nach Königsmund an Land gehen und die Leichen vom Baum herabhängen sehen. 



Nach einem kuren Aufenthalt in Paddys Barn, einem rustikalen Pub in Downpatrick, wo wir zu Mittag gegessen haben, sind wir zu unserem letzten Stopp, dem Tollymore Forest Park in der Nähe von Newcastle, County Down aufgebrochen. Der Tollymore Forest Park ist 1955 zum ersten "State Forest Park" in Nordirland erklärt worden, deckt eine Fläche von 630 Hektar ab und liegt zu Füßen der Mourne Mountains. Dort hat es uns so unglaublich gut gefallen, dass wir dort unbedingt noch einmal hinmüssen. Leider konnten wir die tolle Natur nicht ausgiebig genießen, aber das war ja auch nicht Sinn dieses Ausfluges. Stattdessen haben wir hier die Stellen besucht, an der die Szene gedreht wurde, an der die toten Wildlinge in der allerersten Episode entdeckt werden, an der die Starks die Schattenwolf-Jungen finden und an der Jon Schnee sich abends am Lagerfeuer mit Tyrion Lannister auf dem Weg zur Mauer unterhält.



Uns vieren hat die Tour ausgesprochen gut gefallen. Und nach all der Werbung, die ich nun für Games of Thrones und die offizielle Tour gemacht muss ich euch hier noch den Link geben. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Montag, 29. Dezember 2014

On the fifth day of Christmas...

...my true love sent to me:
Five Golden Rings
Four Calling Birds
Three French Hens
Two Turtle Doves
and a Partridge in a Pear Tree.

Stellt euch vor, ihr sitzt gemütlich im Wohnzimmer, knabbert an dem ein oder anderen Plätzchen rum und hört dabei Weihnachtsmusik. Plötzlich, nichts Böses ahnend gibt es einen lauten Knall und dort, wo euer Couchtisch - nennen wir ihn Sören - eben noch stand liegt nun ein verwirrt drein schauender Elch, die Trümmer von Sören unter sich begraben.

Wenn ihr euch das vorstellen könnt, dann habt ihr entweder eine blühende Fantasie oder ihr habt, ebenso wie wir "Es ist ein Elch entsprungen" gelesen. Seit ein paar Jahren bekomme ich in der Adventszeit allabendlich eben dieses herzerwärmende Kinderbuch von Andreas Steinhöfel vorgelesen.

Nachdem Mr. Moose, so heißt der Elch, bei einem Testflug über Irland aus der Kurve geflogen und im Wohnzimmer der Familie Wagner gelandet ist, beginnt für Bertil, von Mr. Moose liebevoll "Kleiner Junge" genannt, seine Schwester Kiki und seine Mutter Kirsten ein spannendes vorweihnachtliches Abenteuer. Mutter Wagners Emanzenfreundin, die gerne bunte Schals trägt und für die alle Männer nur "Macker" sind, Oma Wagner, die gar nicht mal so leckere Kokosplätzchen backt und gerne den ein oder anderen Kirschlikör trinkt und nicht zuletzt der Weihnachtsmann, Santa Claus, höchstpersönlich sind mit von der Partie. Als Santa Claus schließlich in der Psychiatrie landet ist das Drama komplett: Weihnachten ist in Gefahr!

Also, wenn ihr nächstes Jahr in der Adventszeit mal ein neues Buch braucht, um es euren Kindern vorzulesen, oder ein kleines Geschenk für die Nichten, Neffen und Patenkinder braucht, oder wenn ihr einfach selbst mal wieder ein schönes Buch lesen wollt, dann erinnert euch an meine Empfehlung. Der Steinhöfel darf eigentlich in keinem Bücherregal fehlen!

Sonntag, 19. Oktober 2014

Indian Summer (17) - Von schmerzenden Füßen und Fernsehlügen

So, der Urlaub ist nun wirklich zu Ende. Wir sitzen am Flughafen, trinken unsere Abschieds-Dr. Pepper und warten darauf, dass in einer Dreiviertelstunde das Boarding beginnt.

Wir sind diesen Tag irgendwie falsch angegangen. Ohne einen richtigen Plan sind wir losgezogen, alle noch ausstehenden Routen abzulaufen um alles Wichtige gesehen zu haben. Und so kam es, dass ich ab der späten Mittagszeit eigentlich nicht mehr so richtig Lust hatte zu laufen.


Angefangen haben wir mit dem letzten Teil des Freedom Trail, den wir gestern nicht mehr geschafft haben. Die nächste Station nach der Faneuil Hall ist das Old State aus dem 1776 die Unabhängigkeitserklärung verlesen wurde. Außerdem gab es hier mal ein Massaker, weil irgendwer irgendwen mit einer Muskete geschlagen hat. Egal, es war wohl blutig und ist ziemlich lange her. Vorbei an der Old South Meeting Hall, von wo aus die Boston Tea Party startete standen wir wieder unserem Hotel gegenüber an der Old City Hall. Der Weg führte noch an zwei alten Friedhöfen und diversen Kirchen vorbei, bis wir am Boston Common standen, einem Park der dem State Haus zu Füßen liegt. Dieser Teil des Parks wirkte auf uns nicht so richtig einladend, da er viele Obdachlose beherbergt.


Von dort aus sind wir einer Empfehlung unseres Concierges gefolgt und sind im Viertel Back Bay die Newbury Street hinuntergeschlendert. Das Viertel kennzeichnet sich durch den so genannten Second Empire-Stil: kleine, viergeschossige Reihenhäuser, hübsch anzuschauen. Sie beherbergen heute viele bekannte Geschäfte, kleine Boutiquen und nett aussehende Restaurants. An der Massachusetts Avenue sind wir umgekehrt und über die Boylston Street bis zum Copley Square zurückgelaufen. Dort befindet sich die National Library mit einem unglaublich idyllischen fast schon mediterranen Innenhof, sowie der Hancock Tower, der eigentlich der Hancock Versicherungsgruppe gehört, bei "Fringe" aber immer als FBI Building bezeichnet wird.


Von dort sind wir wieder einmal zum Charles River, haben aufs Wasser geschaut und Segler und Jogger beobachtet. Das ist fast so als hätte man selbst Sport gemacht. Das angrenzende Nobelviertel Beacon Hill haben wir natürlich auch nicht ausgelassen. Kleine hübsche Straßen und Gassen und überall Laternen. Insgesamt ist es uns ziemlich schwer gefallen, eine richtig schlimme Ecke in Boston zu finden. Boston hat uns wirklich sehr gefallen. Und jetzt muss ich mich beeilen, noch ein paar Bilder hochzuladen. Das Boarding müsste in Kürze beginnen. Wir sehen uns daheim!

Freitag, 17. Oktober 2014

Indian Summer (15) - Von gerichteten Hexen und neurotischen Anwälten

Die Wolken hängen tief über Salem. Es ist ein grauer, verregneter Tag. Ein perfekter Tag um ein paar unschuldige Menschen der Hexerei anzuklagen. Mehr durch Zufall sind wir bei der Lektüre unseres Reiseführers darauf gekommen, dass jenes berühmt berüchtigte Salem (B) nur wenige Meilen vor den Toren Bostons (C) liegt. Und weil wir in Glen (A) ziemlich früh losgekommen sind und sonst viel zu früh im Hotel gewesen wären, haben wir kurzerhand beschlossen dort Halt zu machen.


Wir hatten uns einiges versprochen von dieser Kleinstadt, die Ende des 17. Jahrhunderts traurige Berühmheit erlangt hat. Lange Zeit sollen die Stadtväter versucht haben, den Hexenjagd-Ruf loszuwerden. Irgendwann gaben sie auf und fügten sich ihrem Schicksal, machten gute Miene zu bösem Spiel und beschlossen letztendlich die Hexen-Vergangenheit kommerziell auszuschlachten. An jeder Ecke gibt es entweder einen Shop mit Hexen-Souvenirs und billigem Schrammel, ein Hexen-Museum oder irgendeine andere "Tourist-Attraction" - meistens alles auf einmal. Es lag auf dem Weg und war nett. Mehr aber auch nicht. Auf jeden Fall habe ich Lust bekommt, endlich mal Arthur Miller zu lesen.


Aus praktischen Gründen haben wir dann gleich unseren Mietwagen am Flughafen wieder abgegeben und sind mit der Bahn nach Boston reingefahren. Das Auto werden wir hier wegen unserer absolut zentralen Lage und horrenden Parkhauspreisen nicht mehr brauchen.


Wir haben heute nicht mehr viel gemacht, waren noch bei Macy's shoppen und anschließend in der Cheesecake Factory essen ("*knock, knock, knock* Penny"). Zwei Ziele musste ich heute aber unbedingt noch ansteuern. Es ist ungefähr 15 Jahre her, da gab es ein wöchentliches Ritual: Dienstag Abend, 22:00, VOX, "Ally McBeal" bei Freunden gucken. Wöchentlich wurde auf dem Schulhof besprochen "Ally bei mir?" Wer es nicht kennt, "Ally McBeal" war eine Serie über eine Gruppe von Anwälten, die alle irgendwie eine sympathische Macke hatten und Woche für Woche die kuriosesten Fälle vor Gericht brachten. Und eigentlich auch fast immer gewannen, dank Ally, ihrer Jugendliebe Billy, dessen Frau Georgia, den beiden Seniorpartnern John Cage und Richard Fish und natürlich der neugierigen Sekretärin Elaine. Fishismen, Neurosen und Hymnen haben uns Woche für Woche begleitet. Und obwohl die Serie in Boston spielte, gibt es wie so oft, kaum reale Außendrehorte. Wir haben beide besucht. In der Beacon Street 14 befindet sich das Gebäude, in dem Cage und Fish angeblich ihre Kanzlei haben. Leider konnten wir dort nicht hinein, obwohl es wohl einen Hinweis auf Ally auf dem Raumwegweiser geben soll. Der andere Außendrehort ist das John Adams Court House, das sowohl in der Serie als auch im wahren Leben ein Gerichtsgebäude ist.